Das Wichtigste in Kürze
- Pflicht sind im Lebenslauf nur Name und Kontaktdaten – alles Weitere, vom Geburtsdatum bis zur Konfession, ist eine freiwillige Angabe.
- § 1 AGG verbietet Benachteiligungen wegen Alter, ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion, Behinderung und sexueller Identität. Ein Arbeitgeber darf danach nicht entscheiden – ob Sie die Angabe machen, bleibt trotzdem Ihre Wahl.
- Das Geburtsdatum ist in Deutschland noch weit verbreitet und im öffentlichen Dienst oft erwartet; Familienstand und Konfession sind aus professionellen Lebensläufen praktisch verschwunden.
- Bei der Adresse genügt zunehmend Postleitzahl und Ort – die vollständige Anschrift nur, wenn Post erwartet wird oder der Wohnort ein Argument ist.
- Für internationale Bewerbungen streichen Sie Geburtsdatum, Familienstand, Staatsangehörigkeit und Foto vollständig.
Pflicht sind im Lebenslauf nur Ihr vollständiger Name und ein verlässlicher Kontaktweg – E-Mail und Telefonnummer. Geburtsdatum, Geburtsort, Familienstand, Kinder, Staatsangehörigkeit und Konfession sind freiwillige Angaben, und zwar ausnahmslos. Der Hintergrund ist § 1 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG): Benachteiligungen wegen des Alters, der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung oder der sexuellen Identität sind verboten. Ein Arbeitgeber darf danach also weder fragen noch entscheiden. Was er nicht darf, heißt aber nicht, dass Sie schweigen müssen: Ob eine Angabe in Ihren Lebenslauf kommt, entscheiden allein Sie – und diese Entscheidung fällt je nach Angabe, Branche und Zielposition unterschiedlich aus.
Welche persönlichen Daten sind im Lebenslauf Pflicht?
Rechtlich verpflichtend ist im deutschen Lebenslauf keine einzige Angabe. Faktisch unverzichtbar sind zwei: Ihr vollständiger Name und mindestens ein Kontaktweg. Ohne E-Mail-Adresse und Telefonnummer kann eine Einladung Sie nicht erreichen – das ist der ganze Grund, warum diese Daten in den Kopfbereich gehören. Alles darüber hinaus ist Konvention, nicht Vorschrift.
Diese Unterscheidung ist wichtiger, als sie klingt. Viele Bewerber übernehmen den Datenblock aus einer alten Vorlage und tragen dort Angaben ein, die seit Jahren niemand mehr sehen will: Geburtsort, Konfession, Beruf der Eltern. Der Kopfbereich eines Lebenslaufs hat aber eine Aufgabe – Sie identifizierbar und erreichbar zu machen. Jede Zeile, die diese Aufgabe nicht erfüllt, kostet Platz auf einer Seite, die ohnehin knapp ist.
Das AGG richtet sich an Arbeitgeber, nicht an Bewerber. Sie dürfen freiwillig angeben, was Sie möchten – auch Alter oder Religion. Umgekehrt darf ein Unternehmen eine Bewerbung nicht deshalb aussortieren, weil eine dieser Angaben fehlt. Wer im Vorstellungsgespräch nach Familienplanung, Konfession oder Alter gefragt wird, muss auf unzulässige Fragen nicht wahrheitsgemäß antworten.
Alle Angaben im Überblick: üblich, empfohlen, international
Die folgende Tabelle fasst zusammen, welche persönlichen Daten in deutschen Lebensläufen noch üblich sind, was wir für Fach- und Führungskräfte empfehlen und wie die Angabe bei einer Bewerbung im Ausland zu behandeln ist. Sie ersetzt die pauschale Frage „Was gehört rein?" durch eine Entscheidung pro Zeile.
| Angabe | Üblich in DE? | Empfehlung | International |
|---|---|---|---|
| Name | Ja, unverzichtbar | Vor- und Nachname, akademischer Grad wenn geführt | Ja |
| E-Mail, Telefon | Ja, unverzichtbar | Private, seriöse Adresse; Mobilnummer | Ja |
| Adresse | Ja | PLZ und Ort genügen meist; vollständig bei Postverkehr oder Standortnähe | Nur Stadt/Land |
| Geburtsdatum | Verbreitet | Optional. Angeben im öffentlichen Dienst und bei klassischen Arbeitgebern | Weglassen |
| Geburtsort | Selten | Weglassen – hat keinen Aussagewert | Weglassen |
| Familienstand | Kaum noch | Weglassen | Weglassen |
| Kinder | Kaum noch | Weglassen; Elternzeit gehört in den Verlauf, nicht in den Kopf | Weglassen |
| Staatsangehörigkeit | Rückläufig | Nur bei Bedarf an Arbeitserlaubnis oder Sicherheitsüberprüfung | Weglassen |
| Konfession | Nein | Weglassen – Ausnahme: kirchliche Träger | Weglassen |
| LinkedIn/Xing | Zunehmend | Angeben, wenn das Profil gepflegt und zum Lebenslauf konsistent ist | LinkedIn ja |
| Foto | Noch verbreitet | Professionell oder gar nicht | Weglassen (USA, UK verboten bis unerwünscht) |
| Schwerbehinderung | Selten | Freiwillig; im öffentlichen Dienst kann die Angabe Vorteile bringen | Weglassen |
Geburtsdatum und Alter: angeben oder weglassen?
Das Geburtsdatum ist die einzige der klassischen Zusatzangaben, über die sich noch ernsthaft streiten lässt. Rechtlich ist sie freiwillig, in deutschen Lebensläufen aber weiterhin weit verbreitet – im öffentlichen Dienst wird sie in Bewerbungsformularen oft ausdrücklich abgefragt. Bei internationalen Konzernen, Start-ups und Unternehmen mit anonymisiertem Vorauswahlprozess ist sie dagegen entbehrlich.
Wenn Sie es angeben, dann sauber: „Geboren am 14.03.1979" oder schlicht „14.03.1979" in der Kopfzeile. Das Alter auszuschreiben („47 Jahre") ist unpraktisch, weil die Angabe veraltet, sobald die Bewerbung ein Jahr im Talentpool liegt. Den Geburtsort können Sie in jedem Fall streichen – er stammt aus einer Zeit, in der Lebensläufe wie Personenstandsurkunden aufgebaut waren.
Prüfen Sie die Stellenanzeige und das Bewerbungsformular, bevor Sie entscheiden. Fragt ein Formular das Geburtsdatum ab, tragen Sie es dort ein – dann können Sie es im Lebenslauf selbst weglassen, ohne dass eine Lücke entsteht.
Familienstand, Kinder und Konfession: die stillen Aussteiger
Familienstand, Kinderzahl und Konfession haben in einem professionellen Lebenslauf nichts mehr zu suchen. Keine dieser Angaben sagt etwas über fachliche Eignung aus, und alle drei laden zu Vorannahmen ein, die Ihnen eher schaden als nützen – „zwei kleine Kinder" wird in manchen Köpfen zu einer Frage der Verfügbarkeit, obwohl sie das nicht sein darf. Streichen Sie den ganzen Block.
Juristisch lohnt hier eine Präzisierung, die viele Ratgeber überspringen: Familienstand und Kinderzahl stehen nicht in § 1 AGG. Geschützt sind sie mittelbar über das Merkmal Geschlecht – wenn Mütter wegen ihrer Kinder benachteiligt werden, ist das eine mittelbare Benachteiligung wegen des Geschlechts. Die Konfession dagegen ist in § 1 AGG ausdrücklich genannt. Für kirchliche Träger gilt eine Sonderregel: Nach § 9 AGG ist eine unterschiedliche Behandlung wegen der Religion zulässig, wenn sie im Hinblick auf das Selbstverständnis der Einrichtung eine gerechtfertigte berufliche Anforderung darstellt. Wer sich bei Caritas, Diakonie oder einem kirchlichen Klinikträger bewirbt, gibt die Konfession deshalb sinnvollerweise an.
In den Bewerbungen, die wir seit 2013 für Fach- und Führungskräfte erstellen, ist der Familienstand nach und nach aus dem Kopfbereich verschwunden – und in keinem einzigen Gespräch mit Personalverantwortlichen hat ihn danach jemand vermisst. Nachgefragt wird stattdessen, was in vielen Lebensläufen fehlt: Verantwortungsumfang, Zahlen, Wechselmotivation.
Elternzeit ist etwas anderes als der Familienstand. Sie gehört nicht in den Datenblock, sondern als eigene Station in den beruflichen Verlauf („03/2023 – 08/2024 Elternzeit"). So bleibt der zeitliche Ablauf lückenlos, ohne dass Sie private Details preisgeben. Wie Sie den Verlauf sauber aufbauen, zeigt der Ratgeber Lebenslauf Aufbau.
Adresse, E-Mail und Telefon: der Block mit den meisten Fehlern
Die Kontaktdaten sind die einzigen Pflichtangaben – und ausgerechnet dort passieren die vermeidbarsten Fehler. Bei der Adresse genügt heute in den meisten Verfahren Postleitzahl und Ort, weil Recruiter damit die Pendeldistanz einschätzen können und mehr im Auswahlprozess nicht benötigen. Die vollständige Anschrift setzen Sie, wenn postalisch kommuniziert wird oder wenn die Nähe zum Standort für Sie spricht.
- E-Mail-Adresse: „vorname.nachname@…" bei einem gängigen Anbieter. Spitznamen, Geburtsjahre und Fantasienamen wirken auf Führungsebene unseriös – und die Dienstadresse des aktuellen Arbeitgebers ist doppelt riskant: schlechter Stil und ein Diskretionsproblem.
- Telefon: eine Mobilnummer mit Ländervorwahl (+49 …), auf der Sie tagsüber erreichbar sind. Zwei Nummern nur, wenn beide wirklich funktionieren.
- Umzugsbereitschaft: Wenn Ihr Wohnort weit vom Arbeitsort entfernt liegt, ergänzen Sie eine Zeile wie „Umzug nach Stuttgart geplant zum 01.11." oder „Umzugsbereitschaft bundesweit". Ohne diesen Hinweis sortieren Recruiter Bewerbungen aus reiner Distanzlogik aus.
- LinkedIn oder Xing: als kurze URL, nicht als 90-Zeichen-Trackinglink. Aufnehmen nur, wenn das Profil aktuell ist und keine Widersprüche zum Lebenslauf enthält – Personaler gleichen beides ab.
Staatsangehörigkeit und Schwerbehinderung: zwei Sonderfälle
Beide Angaben sind freiwillig, beide betreffen Merkmale, die § 1 AGG schützt – und bei beiden gibt es Konstellationen, in denen die Nennung Ihnen nützt. Die Staatsangehörigkeit ist nur dort relevant, wo eine Arbeitserlaubnis oder eine Sicherheitsüberprüfung Voraussetzung ist, etwa in der Verteidigungsindustrie oder bei sicherheitsrelevanten Behördenprojekten.
Statt der Staatsangehörigkeit als solcher ist in diesen Fällen der praktische Punkt interessanter: „Unbefristete Arbeitserlaubnis für Deutschland" oder „EU-Staatsbürgerschaft" beantwortet die Frage, die der Recruiter tatsächlich hat, ohne dass Sie ein AGG-Merkmal in den Vordergrund stellen. Bei einer Schwerbehinderung gilt: Ein Arbeitgeber darf im Bewerbungsverfahren grundsätzlich nicht danach fragen. Öffentliche Arbeitgeber sind nach § 165 SGB IX allerdings verpflichtet, schwerbehinderte Bewerber zum Vorstellungsgespräch einzuladen, sofern die fachliche Eignung nicht offensichtlich fehlt. Wer sich beim Bund, einem Land, einer Kommune oder einer Körperschaft des öffentlichen Rechts bewirbt, verschafft sich mit der Angabe also einen konkreten Verfahrensvorteil. In der Privatwirtschaft existiert diese Pflicht nicht – dort ist die Angabe eine reine Abwägung.
Führungskräfte ab 50: Bringt das Weglassen des Geburtsdatums etwas?
Ein Geburtsdatum wegzulassen ist legitim und rechtlich unbedenklich. Nur ist es bei erfahrenen Fach- und Führungskräften selten wirksam: Aus dem Studienabschluss von 2001 und vier Stationen mit Jahresangaben rechnet jeder Recruiter das Alter in fünf Sekunden hoch. Wer das Datum streicht, aber 25 Jahre Berufserfahrung dokumentiert, verbirgt nichts – er signalisiert nur, dass ihm das Thema unangenehm ist.
Sinnvoller ist es, den Lebenslauf so zu bauen, dass Erfahrung als Argument wirkt und nicht als Zahl: die letzten zehn bis fünfzehn Jahre ausführlich, frühere Stationen als kompakter Block „Frühere Positionen", aktuelle Weiterbildungen und Tools sichtbar. Ein Bereichsleiter Mitte fünfzig, den wir begleitet haben, wollte zunächst Geburtsdatum und Abschlussjahre komplett entfernen. Wir haben stattdessen die frühen Stationen auf vier Zeilen zusammengezogen und die letzten drei Rollen mit Budget- und Teamzahlen ausgebaut – das Alter stand weiterhin im Dokument, war aber nicht mehr das Erste, was auffiel. Was auf Executive-Ebene sonst noch zählt, behandelt der Ratgeber Lebenslauf für Führungskräfte.
Entscheiden Sie einheitlich: Entweder Sie nennen Geburtsdatum und alle Jahreszahlen, oder Sie lassen konsequent alles weg, was Rückschlüsse zulässt. Ein Lebenslauf ohne Geburtsdatum, aber mit Abiturjahr 1996 wirkt inkonsequent – und Inkonsequenz fällt Personalern schneller auf als das Alter selbst.
Internationale Bewerbungen und anonymisierte Verfahren
Für Bewerbungen außerhalb des deutschsprachigen Raums streichen Sie den gesamten persönlichen Datenblock bis auf Name, E-Mail, Telefon, Stadt und LinkedIn-Profil. In den USA und Großbritannien gelten Geburtsdatum, Familienstand, Staatsangehörigkeit und Foto als Diskriminierungsrisiko; ein Résumé mit diesen Angaben wird dort teils aus Compliance-Gründen aussortiert, bevor jemand den Inhalt liest.
In Deutschland gibt es einen verwandten Trend: anonymisierte Bewerbungsverfahren. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat dazu 2012 ein Pilotprojekt abgeschlossen, evaluiert vom Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) und der Europa-Universität Viadrina. Ergebnis: Anonymisierte Verfahren sind grundsätzlich geeignet, Diskriminierung im Auswahlprozess zu verringern, und der Zusatzaufwand für die Unternehmen blieb überschaubar. Flächendeckend durchgesetzt haben sie sich nicht – wohl aber die dahinterliegende Logik. Große Arbeitgeber blenden im ersten Screening zunehmend Name, Foto und Alter aus. Für Sie heißt das: Ein Lebenslauf, der ohne diese Angaben funktioniert, ist zukunftssicherer als einer, der von ihnen lebt. Wie ein solcher Kopfbereich aussieht, zeigen die Beispiele im Ratgeber Tabellarischer Lebenslauf.
Datenschutz: Was mit Ihren Angaben nach der Bewerbung passiert
Ihre Bewerbungsunterlagen sind personenbezogene Daten und fallen unter die DSGVO. Unternehmen dürfen sie nur für das konkrete Bewerbungsverfahren verarbeiten; nach einer Absage sind sie zu löschen. In der Praxis behalten Arbeitgeber die Unterlagen üblicherweise rund sechs Monate – abgeleitet aus § 15 Abs. 4 AGG (zwei Monate zur Geltendmachung von Ansprüchen) plus der dreimonatigen Klagefrist nach § 61b ArbGG. Eine längere Speicherung, etwa in einem Talentpool, setzt Ihre ausdrückliche Einwilligung voraus.
Praktisch relevant ist daraus vor allem der Grundsatz der Datenminimierung: Was Sie nicht angeben, muss auch niemand speichern, schützen oder löschen. Das ist ein zusätzliches Argument, den Datenblock schlank zu halten – und ein guter Grund, Ausweiskopien, Gehaltsabrechnungen oder Kopien von Geburts- und Heiratsurkunden niemals unaufgefordert mitzuschicken.
Formatbeispiel: Kopfbereich einer Fach- oder Führungskraft
So sieht der Kopfbereich eines zeitgemäßen Lebenslaufs für eine Fach- oder Führungskraft aus: vollständig, aber ohne überflüssige Angaben. Er passt in sechs Zeilen und funktioniert für klassische wie für internationale Arbeitgeber, wenn Sie die letzte Zeile streichen. Das Geburtsdatum ist bewusst als optionale Zeile ausgewiesen – ob Sie es übernehmen, entscheiden Sie nach Arbeitgeber und Branche:
- Zeile 1 – Name: Dr. Andrea Vogt
- Zeile 2 – Zielposition: Leiterin Konzerncontrolling
- Zeile 3 – Wohnort: 40213 Düsseldorf
- Zeile 4 – Kontakt: +49 170 1234567 · a.vogt@example.de
- Zeile 5 – Profil: linkedin.com/in/andrea-vogt
- Zeile 6 – optional: Geboren am 14.03.1979
Sechs Zeilen, davon fünf mit echtem Informationswert. Kein Geburtsort, kein Familienstand, keine Konfession, keine Angaben zu Kindern – und trotzdem weiß der Recruiter innerhalb von zwei Sekunden, wer Sie sind, wohin Sie wollen und wie er Sie erreicht. Wie Sie von hier aus weiterschreiben, erklärt der Ratgeber Lebenslauf schreiben; welche Gestaltung zu einem schlanken Kopfbereich passt, zeigt Moderner Lebenslauf.
Häufig gestellte Fragen
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